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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 21.10.2021:

„Familien mit Migrationshintergrund fühlen sich und ihre Familiensprache wertgeschätzt.“

Programm unterstützt Mehrsprachigkeit bei Kindern

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Bildrechte: Mehrsprachigkeit leben!

Das Programm „Mehrsprachigkeit leben!“ in Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die sprachliche Bildung von Vorschulkindern in ihrer Herkunftssprache und in Deutsch. Um die Grundlage für eine Mehrsprachigkeit zu schaffen, setzt es mit den Projekten „Griffbereit“ und „Rucksack KiTa“ auf eine durchgängige Erziehungs- und Bildungspartnerschaft von Kita und den Familien der Kinder.


In vielen Ländern weltweit wachsen Menschen mehrsprachig auf. Auch für Deutschland zeigt der Bildungsbericht von 2016, dass etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung nicht einsprachig lebt. Sprache zählt zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen. Besonders für Kinder, die mehrsprachig aufwachsen und am Anfang der Sprachentwicklung stehen, sind frühe Sprachbildung und die Unterstützung sprachlicher Kompetenzen durch Familie und Pädagog*innen wichtig. Die Stärkung der sprachlichen Entwicklung im Elementarbereich ist deshalb eine der zentralen Bildungsaufgaben.

Das Programm „Mehrsprachigkeit leben!“
Das Programm „Mehrsprachigkeit leben!“ unterstützt die sprachliche Bildung von Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren in Deutsch und ihren Familiensprachen. Es richtet sich mit den beiden Projekten „Griffbereit“ und „Rucksack KiTa“ gezielt an Kinder und Eltern mit und ohne Migrationsgeschichte sowie an Einrichtungen und Fachkräfte der frühkindlichen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern. Das Modellprojekt begleitet und unterstützt Fachkräfte dabei, die Mehrsprachigkeit der Kinder im Einrichtungsalltag aufzugreifen. Eltern erhalten Anregungen, wie sie die Sprachentwicklung ihrer Kinder fördernd begleiten können. Dabei werden sie in ihrer Rolle als Sprachvorbilder und aktive Bildungspartner*innen gestärkt.

Das Programm „Mehrsprachigkeit leben!“ ist ein Projekt der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V. Es wird aus Mitteln des Ministeriums für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern sowie der Freudenberg Stiftung finanziert, hat eine Laufzeit bis 2022 und richtet sich vorrangig an Einrichtungen im mittleren und östlichen Landesteil von Mecklenburg-Vorpommern.

Die Programme „Griffbereit“ und „Rucksack KiTa“
Die Programme „Griffbereit“ und „Rucksack KiTa“ sind vom Verbund der Kommunalen Integrationszentren (KI) Nordrhein-Westfalen entwickelte Bildungsprogramme, die die wesentlichen Ergebnisse der Spracherwerbsforschung aufgreifen. Sie sind bundes- und europaweit gefragte Erfolgsmodelle. Die Umsetzung wird in NRW seit 2013 durch die Landesweite Koordinierungsstelle (LaKo) gesteuert und begleitet. Bundesweit werden sie durch die KI NRW koordiniert und verbreitet. Aufgrund der in den vergangenen Jahren steigenden Nachfrage nach Sprachbildungs- und Sprachförderprogrammen ist für den bundesweiten Transfer der Programme im Jahr 2017 ein Bundestransfer-Team - angesiedelt beim Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) - etabliert worden. Inzwischen gibt es in Deutschland bereits mehr als 470 „Griffbereit“-Gruppen und mehr als 750 „Rucksack KiTa“-Gruppen.

„Griffbereit“
„Griffbereit“ ist ein Sprach- und Familienbildungsprogramm für Eltern bzw. Familien mit und ohne internationale Familiengeschichte und ihre Kinder zwischen einem und drei Jahren. Im Fokus steht die Eltern-Kind-Interaktion zur Stärkung der (mehr)sprachigen Entwicklung. Der Ursprung für dieses Programm liegt in den Niederlanden. Das dort bewährte „Bij de Hand“ wurde im Jahr 1999 vom Arbeitskreis IKEEP (Interkulturelle Entwicklung im Elementar- und Primarbereich) der damaligen RAA in NRW für Deutschland adaptiert, ergänzt und weiterentwickelt.

„Griffbereit“-Gruppen können in Kindertageseinrichtungen, Familienbildungsstätten oder auch bei Migrantenselbstorganisationen und Unterkünften für Familien mit Fluchterfahrung ins Leben gerufen werden. Auf diese Weise werden Familien schon sehr früh an das Bildungssystem herangeführt und haben die Möglichkeit, die Lebens- und Lernorte ihrer Kinder kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Die Eltern-Kind-Gruppen treffen sich über einen Zeitraum von einem Jahr einmal wöchentlich für knapp zwei Stunden. Dort spielen, singen und malen die Kinder miteinander und mit ihren Eltern in Deutsch und allen weiteren Familiensprachen. In der „Griffbereit“-Gruppe werden immer mindestens zwei Sprachen gesprochen: Deutsch und die Familiensprache/n der Teilnehmer*innen. Dies schafft eine wichtige Grundlage zum Erwerb von Mehrsprachenkompetenz. Prof. Dr. Timm Albers von der Universität Paderborn, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, ist sicher, dass Kinder, die in diesem Alter mit verschiedenen Sprachen konfrontiert werden, alle Sprachen leicht erwerben können. Unterstützt werden die Eltern von zwei geschulten Elternbegleiter*innen, von denen mindestens eine*r mehrsprachig ist. Sie vermitteln ihnen Methoden und geben ihnen Anregungen für die Durchführung der Spiele und Lieder. Das gibt den Eltern Sicherheit und stärkt ihr Vertrauen in die eigenen Kompetenzen. Speziell entwickelte „Griffbereit“-Materialien, die derzeit in 27 Sprachen vorliegen, bieten ihnen außerdem alters- und entwicklungsgerechte Ideen zu variierenden Spiel- und Sprachaktivitäten für zu Hause.

„Rucksack KiTa“
Das Projekt „Rucksack KiTa“ wiederum ist ein Sprach- und Bildungsprogramm für KiTa-Kinder zwischen vier und sechs Jahren mit internationaler Familiengeschichte sowie für deren Eltern bzw. Familien. Wie „Griffbereit“ stammt auch „Rucksack KiTa“ aus den Niederlanden. In NRW wird es bereits seit 1999 erfolgreich und flächendeckend durchgeführt, evaluiert und kontinuierlich weiterentwickelt. „Rucksack KiTa“ befindet sich an der Schnittstelle zwischen dem formalen Lernort KiTa und den informellen Bildungs- und Förderungsangeboten. Das Programm findet in der Kindertageseinrichtung oder einem Familienzentrum statt.

„Rucksack KiTa“ fördert die allgemeine und sprachliche Bildung von Kindern anhand von Alltagsthemen, wie z.B. „Körper“, „Kindertageseinrichtung“ oder „Essen und Trinken“. Kinder lernen in der Kita Wörter aus diesen Themenbereichen auf Deutsch. Die Eltern sind zuständig für das Erlernen der gleichen Wörter zu Hause in der Familiensprache. Dafür treffen sie sich einmal wöchentlich in der Kita mit dem/der Elternbegleiter*in der „Rucksack KiTa“-Gruppe. Diese*r bespricht mit ihnen die Themen, gibt Anregungen für die Gestaltung von spielerischen Aktivitäten und Liedern und ermutigt die Eltern, in der Familie die Herkunftssprache mit den Kindern zu sprechen. Dass die Eltern als Expert*innen für die Erziehung ihrer Kinder und für das Erlernen der Familiensprache/n angesprochen werden, gibt ihnen Sicherheit. „Ich finde es toll, dass die Kinder neben Deutsch auch ihre Muttersprache lernen“, freut sich eine Mutter. Die zweistündigen Elterntreffen finden neun Monate lang wöchentlich in einer Zeit statt, in der die Kinder die Einrichtung besuchen. Für zu Hause erhalten sie die Materialien in ihren Familiensprachen.

Von der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft profitieren alle

Die im Programm „Mehrsprachigkeit leben!“ unterstützte Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familien und (Bildungs-) Einrichtungen wirkt neben der sprachlichen Bildung noch in anderer Hinsicht: Kinder erleben Vielfalt, Gemeinschaft und Diversität von Anfang an als Bereicherung. Familien mit Migrationshintergrund fühlen sich und ihre Familiensprache wertgeschätzt, werden früh an das Bildungssystem herangeführt und können die Bildungsinstitution vor Ort kennenlernen und mitgestalten. Die Kitas können eine vorurteilsbewusste, diversitätsorientierte und migrationsgesellschaftliche Bildungsarbeit umsetzen.

Pädagogische Fachkräfte und Elternbegleiter*innen werden im Rahmen des Programms kontinuierlich weitergebildet, um ihre Kompetenz für Mehrsprachigkeit, durchgängige Sprachbildung, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern zu erweitern und den Aufbau eines vorurteilsbewussten Konzepts der Einrichtung zu verwirklichen. Darüber hinaus finden zum Austausch auch regelmäßig bundesweite Tagungen und Arbeitskreise statt.





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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 21.10.2021
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